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CDU im Gespräch mit Matthias Wissmann, 25. März 2010

Matthias Wissmann, Präsident des Verbands der Automobilindustrie, zu Gast bei der Veranstaltungsreihe "CDU im Gespräch".

Zukunftsstrategien der Automobilindustrie

Matthias Wissmann setzt bei „CDU im Gespräch“ positive Signale

Die erfolgreich etablierte Informations- und Diskussionsreihe „CDU im Gespräch" war am 25. März dem aktuellen und wichtigen Thema „Zukunftsstrategien der Automobilindustrie" gewidmet. Dafür konnte die CDU Stuttgart als Referent keinen Geringeren als Matthias Wissmann gewinnen, den Präsidenten des Verbands der Automobilindustrie (VDA). Thema und Referent fanden guten Anklang, so dass der Raum Elysée im Hotel Le Méridien an diesem Abend gut besetzt war.

Kreisvorsitzender und Erster Bürgermeister Michael Föll führte in das Thema ein und stellte Matthias Wissmann als „profunden Kenner der Automobilindustrie" vor, der sowohl das Feld der Wirtschaft als auch der Politik beherrsche. Matthias Wissmann begann seinen Weg in der Politik, wo er von 1973 bis 1983 Vorsitzender der Jungen Union Deutschlands war. In der Zeit von 1976 bis 2007 war er Mitglied des Deutschen Bundestags und von 1993 bis 1998 zunächst Bundesminister für Forschung und Technologie und anschließend Bundesminister für Verkehr. Vor diesem Hintergrund war sein Profil geradezu ideal für die Funktion eines Präsidenten des Verbands der Automobilindustrie. Hinzu kommt, wie Michael Föll betonte, dass Matthias Wissmann als gebürtiger Ludwigsburger die Region Stuttgart und deren Ausrichtung auf die Automobilindustrie bestens kennt, mit der Struktur der Hersteller wie der Zulieferer, dem hohen Anteil an Arbeitsplätzen sowie der Herausforderung neuer Antriebstechnologien wie Elektromobilität und Brennstoffzelle.

Am Ende seiner Begrüßungsansprache zeigte Michael Föll prophetische Gabe, indem er sagte: „Ich verspreche mir und Ihnen, dass es ein interessanter Abend wird." Er sollte Recht behalten. Denn Matthias Wissmann erwies sich als ein herausragender Kenner der aktuellen Situation in Deutschland, der internationalen Lage, der Zukunftsperspektiven und Herausforderungen in allen Fragen rund um das Auto. Fundiert und zahlenfest, aber auch mit Witz und Humor, gab er seinem Thema deutliche Konturen und setzte Akzente. Er beschrieb die Wirtschaftskrise ab Ende 2008 als die größte Krise in der fast 100jährigen Geschichte des Automobils mit Auftragseinbrüchen von 10 bis zu 90 %, im Nutzfahrzeugbau sogar negative Auftragseingänge, also mehr Abbestellungen als Neuaufträge. In dieser extrem schwierigen Situation habe der VDA seine Mitglieder zu zwei richtigen Maßnahmen geraten, die auch befolgt worden seien: Zum einen in der Krise keine Reduzierung von Forschung und Entwicklung (FuE) - dies habe die Automobilindustrie befolgt und ihre FuE-Aktivitäten sogar gesteigert. Der andere Rat war, nicht den Fehler aus der Krise der 1990er Jahre zu wiederholen und Stammbelegschaft abzubauen. Auch hier sei die Automobilindustrie den richtigen Weg gegangen, habe die Ausweitung der Kurzarbeitsregelung konsequent genutzt und damit soweit irgend möglich Stammbelegschaft im Unternehmen gehalten. Dies sei angesichts der enormen Auftragseinbrüche eine eindrucksvolle Leistung der Automobilindustrie.

Angesichts der Tatsache, dass bereits heute drei von vier in Deutschland produzierten Autos in den Export gehen und mit Blick darauf, dass der westeuropäische und nordamerikanische Markt in Zukunft kaum wachsen, Märkte wie China und Indien jedoch eine große Dynamik entfalten werden, plädierte Wissmann für Premiumfahrzeuge, die vom Design und Komfort her überzeugen, technologisch und unter Umweltaspekten führend sind und sich damit als Marke gegenüber billigeren Kleinwagen anderer Hersteller auch künftig etablieren können.

Die Hausaufgaben unserer Automobilindustrie formulierte Matthias Wissmann folgendermaßen: „Diejenigen, die das Auto erfunden haben, werden nur bestehen, wenn sie sich täglich neu erfinden." Und das sieht er optimistisch: Er zeigte sich nämlich zuversichtlich, dass unser Automobilcluster die Herausforderungen neuer Technologien wie Elektromobilität und Brennstoffzelle erfolgreich bewältigen wird. Er sieht einen Erfolgsfaktor im partnerschaftlichen Zusammenwirken von Herstellern und Zulieferern, die 75 % an der Herstellung eines Fahrzeugs ausmachen. Durch ständige Optimierung, Forschung und Entwicklung und die Ausrichtung auf langfristige Ziele werde unsere Automobilindustrie die Fehler vermeiden, die zum Niedergang führender US-amerikanischer Hersteller geführt habe. Wissmann erwartet, dass der Verbrennungsmotor auch in den kommenden Jahrzehnten zusammen mit anderen Antrieben immer noch bestimmend sein wird. Sowohl bei Elektroautomobilität wie bei der Brennstoffzelle seien von viele Grundfragen nicht beantwortet, von der Technik über Alltagstauglichkeit und Sicherheit bis hin zu den Preisen für ein solches Fahrzeug.

Christine Alt-Palmer, die die Diskussion souverän moderierte, nannte Wissmanns Ausführungen „Labsal für unsere geschundenen Automobilseelen". Sie gab Impulse für eine ausführliche und angeregte Aussprache, die sich um das gesamte Themenfeld „Auto" bewegte und eine Vielzahl von Aspekten beleuchtete. Die Diskussion wurde im Anschluss beim Stehempfang fortgesetzt. Auch diese Gespräche belegten die Tatsache, dass der Stuttgarter CDU mit dieser Veranstaltung ein Volltreffer gelungen war.

Text: Roland Petri
Fotos: Hendrik Warda