

Doch egal, wie bequem man platziert war, es sollte ein kurzweiliger Abend werden. Denn Bezirksgruppenvorsitzender Roland Schmid konnte als Festredner des 27. Politischen Aschermittwochs in Bad Cannstatt keinen Geringeren begrüßen als den Generalsekretär der CDU Baden-Württemberg Thomas Strobl, der seit 1998 Mitglied des Deutschen Bundestags ist. Roland Schmid stellte mit Blick auf die vier Jahre große Koalition im Bund und die Startschwierigkeiten des aktuellen Bündnisses mit der FDP fest, dass man mit jeder Koalition so seine Schwierigkeiten habe. Gerade deshalb sei es wichtig, möglichst viele Wähler an die CDU zu binden.
Thomas Strobl hob als Stärke der CDU Baden-Württembergs deren Präsenz vor Ort und deren Verwurzelung in der Bevölkerung hervor. „Das ist das Zeichen der Basisverbundenheit der CDU, dass wir bei den Menschen sind, dass wir die Baden-Württemberg-Partei sind", betonte er wörtlich. Keine andere Partei im Lande könne diesen Anspruch erheben, auch nicht die SPD, die bei den letzten Wahlen im Lande unter die 20-Prozent-Marke gerutscht ist. Die CDU sei die einzige in Baden-Württemberg verbleibende Volkspartei. Durch ihre Bündelungs- und Integrationsfunktion seien Volksparteien für die Demokratie wichtig. Dies sei der CDU bisher gut gelungen - das Integrieren vom rechten Rand zur Mitte. Die SPD im Land sei dagegen zerstritten, mit sich selbst beschäftigt und ohne Problemlösungskompetenz.
Die Stärke und Handlungsfähigkeit der CDU habe sich dagegen gezeigt, als im Oktober 2009 durch seinen bevorstehenden Wechsel in die Europäische Kommission Ministerpräsident Oettinger „über Nacht abhanden" gekommen sei. Die CDU habe in kürzester Zeit den Wechsel zum neuen Landesvorsitzenden und Ministerpräsidenten Stefan Mappus und mit der Wahl von Peter Hauk dessen Nachfolge als Vorsitzender der Landtagsfraktion geregelt. Dagegen verliefe die Nachfolge von Ute Vogt bei der SPD chaotisch. Bis heute gebe es keinen Herausforderer für Ministerpräsident Mappus bei der Landtagswahl im nächsten Jahr. Der Ulmer Oberbürgermeister Ivo Gönner betone immer: „Alle anderen, nur nicht ich!" Ob die SPD mit Schmid oder Schmiedel antrete, bleibe im Unklaren. „Im übrigen", spottete Strobl, „ist die SPD für uns kein Maßstab".
Die SPD habe beim Integrieren des linken Parteienspektrums versagt. Durch Duldung und Koalieren habe sie die Linkspartei erst richtig hoffähig gemacht. Dabei dürfe nicht vergessen werden, dass die Linkspartei im Kern letztlich die Nachfolgepartei der kommunistischen SED in der DDR sei. Strobl erinnerte daran, dass das heutige Aushängeschild der „Linken", Gregor Gysi, letzter SED-Vorsitzender in der DDR war und dass seine frühere Stasi-Spitzeltätigkeit als sicher gestellt angenommen werden dürfe. Strobl verwies auch auf das Parteiprogramm der „Linken" in Nordrhein-Westfalen, wonach der Religionsunterricht ersatzlos gestrichen und dafür ein Fach namens „Genuss- und Rauschmittelkunde" im Unterricht eingeführt werden solle. Da habe die CDU doch andere Vorstellungen von Erziehung und Schule!
Im Unterschied zur SPD, die mit den „Linken" koaliere, sei die CDU in Baden-Württemberg 1992, als sie vor der Alternative einer Koalition mit den „Republikanern" und der SPD befand, standhaft geblieben, habe eine große Koalition mit der SPD gebildet und damit die „Republikaner" im wahrsten Sinne des Wortes „rechts liegen" gelassen. Der Erfolg: Die „Republikaner" sind zwischenzeitlich so gut wie nicht mehr vorhanden.
Strobl ging auch auf aktuelle politische Fragen ein wie die „energiepolitischen Narreteien" von Röttgen und Rülke. Westerwelle könne man wegen des Tons seiner Ausführungen zum ALG II kritisieren, den Inhalt seiner Aussagen müsse man hingegen ernst nehmen. Schließlich sei das Lohnabstandsgebot ein wichtiger Faktor für erfolgreiche Arbeitsmarktpolitik. Außerdem werde in Deutschland jeder dritte Euro für Sozial- und Transferleistungen aufgewandt. Angesichts einer hohen Staatsverschuldung und der Verpflichtung zur Konsolidierungspolitik dürfe, so Strobl, „der größte Ausgabentitel, Soziales, nicht unter Artenschutz" gestellt werden. Strobl betonte auch die Entlastungsmaßnahmen für Familien im Wachstumsbeschleunigungsgesetz.
Mit Blick auf Bilanz und Zukunft der CDU in Baden-Württemberg hob Thomas Strobl hervor, dass sie erfolgreich das Land vorangebracht habe, über Kompass und Werte verfüge und die Kraft zur Bewältigung der Zukunftsaufgaben habe.
Nach einem lang anhaltenden Beifall überreichte Kreisvorsitzender und Erster Bürgermeister Michael Föll dem aus Heilbronn, dem größten Rotweingebiet Baden-Württembergs, stammenden Thomas Strobl, Rotwein aus Bad Cannstatt mit den Worten: „Auch du sollst mal einen guten Tropfen haben!" Damit war Heiterkeit im Saal gesichert und für den Abend eine gute Stimmung garantiert.