

Viele prominente Gäste aus Politik und Kultur waren an diesem Abend zu Gast. So unter anderem Erbgräfin Mathilde von Waldburg-Zeil, Anneliese Rothenbergers Patensohn Graf Björn Bernadotte mit seiner Verlobten Sandra Angerer, Kammersängerin Inge Borkh, Mitinitiatorin des Abends und Kulturmanagerin Brigitte Stefan mit Ehemann, die Modedesignerin Lissi Fritzenschaft mit Ehemann, der frühere Generalanwalt beim Europäischen Gerichtshof und langjährige Bundestags- und Europaabgeordnete Professor Siegbert Alber mit Frau, die Fraktionsvorsitzende der CDU-Gemeinderatsfraktion im Stuttgarter Rathaus Iris Ripsam und der stellvertretende Fraktionsvorsitzende und CDU-Stadtrat Dieter Wahl.
Amüsant, spannend und manchmal sehr ergreifend streiften die beiden Moderatoren Dr. Stefan Kaufmann und Rolf Michael Pfander, Mitglied des Kunstbeirats der CDU Baden-Württemberg, mit der bekanntesten deutschen Sopranistin des 20. Jahrhunderts im lockeren Plauderton fünf Jahrzehnte Kultur- und Zeitgeschichte. Elegant im hellblauen Kostüm und mit 82 ´Jahren immer noch mädchenhaft grazil plauderte die bestens aufgelegte Kammersängerin mit einer unglaublichen Vitalität über alle wichtigen Stationen ihres Lebens. Nur ab und zu wurde die Talkrunde von kurzen Videoeinspielern unterbrochen, in denen das Publikum noch einmal die Sternstunden der Sopranistin erleben konnte. Als Sophie in “Der Rosenkavalier“, als Arabella in der gleichnamigen Strauss-Oper gemeinsam mit dem unvergessenen Hermann Prey, als “Lustige Witwe“ in dem Duett „Lippen schweigen, `s flüstern Geigen“ mit Startenor Placido Domingo und, zu Tränen rührend, als Violetta in “La Traviata“ gemeinsam mit Weltstar José Carreras.
Sie habe „einen Silberfaden in ihrer Stimme“ bescheinigte die Musiklehrerin der jungen Mannheimerin, die nach der Ausbildung durch die große Strauss-Interpretin Erika Müller in Koblenz erste Bühnenerfahrungen sammelte und nach harten Kriegsjahren 1946 von Dr. Günther Rennert an die Hamburgische Staatsoper geholt wurde. In Hamburg lernte sie auch ihren späteren Mann, den 1999 verstorbenen Gerd W. Dieberitz kennen und lieben. Ohne ihn, so Rothenberger, der seinen Journalistenberuf für sie an den sprichwörtlichen Nagel hängte und dann ihr Manager wurde, hätte sie die nun folgende Weltkarriere nie geschafft.
Die Stationen dieses Lebens mit der Musik sind auch mehr als beeindruckend: umjubelte Auftritte in New York, Mailand und Buenos Aires, ständiger Gast bei den Festspielen in Salzburg und Glyndebourne, Tourneen durch die ganze Welt, Engagements an allen großen Opernhäusern. Doch all diese Erfolge, auch das machte dieser Abend deutlich, sind ihr nicht zu Kopf gestiegen. Beinahe hätte ihre Karriere sie auch an die Staatsoper Stuttgart geführt, ein Angebot lag vor. Als sie dies recht gewieft dem Hamburger Intendanten mitteilte, hob der sogleich die Gage an und meinte: „Hier in Hamburg sind sie der Publikumsliebling, in Stuttgart müssen sie das erst mal werden!“ So blieb sie in Hamburg, obwohl ihr der damalige Stuttgarter Intendant, der unvergessene Walter Erich Schäfer, glatt das Doppelte geboten hatte. Nach erfolgreichen Jahren in Hamburg führte sie dann ihr nächstes langjähriges Engagement an die Wiener Staatsoper, wo sie bis 1975 Ensemblemitglied blieb.
So ging es an diesem Abend von einer Episode zur nächsten, von den Beifallsstürmen in der ehemaligen Sowjetunion bis zu den ersten Fernsehauftritten und ihren eigenen Fernsehsendungen wie “Anneliese Rothenberger gibt sich die Ehre“ und “Traumland Operette“. Aber auch von ganz besonderen Begegnungen war die Rede - wie jener mit dem dänischen König Frederic, der ihr das Kompliment machte, bei ihrer Rosenarie als Susanna im Figaro sei es gewesen, als ob Mozart selbst den Raum betreten hätte. Einen Hauch dieser großen Opern- und Operettenzeit spürten die Zuhörer auch während des Gesprächs. Doch auch um den musikalischen Nachwuchs hat sich Anneliese Rothenberger stets gekümmert, so zunächst mit ihrer ZDF-Sendung “Anneliese Rothenberger stellt vor“ und bis heute mit ihrer Stiftung des Anneliese-Rothenberger-Preises im Rahmen des Europäischen Kulturforums Mainau. Gefragt, welches Genre - Oper, Operette oder die leichte Muse - ihr am liebsten war, antwortete die Rothenberger gewohnt spontan, dass sie am liebsten mit ihren Liederabenden auf der Bühne stand.
1989 war dann endgültig Schluss, auch mit den geliebten Liederabenden. Nach einer Krebserkrankung zog sich Anneliese Rothenberger aus der Öffentlichkeit zurück und widmete sich der Malerei. Dass bei Ausstellungen regelmäßig die meisten ihrer Bilder verkauft werden, beurteilte sie mit einem Lächeln: „Das beruht doch nur auf meinem Ruhm als Sängerin!“ Lautstarke Zustimmung erntete die Kammersängerin, als sie sich zum heutigen Opernbetrieb äußerte: „Die Sänger sind sicher gut, aber bei den Regisseuren fasse ich mir an den Kopf. Das war doch früher viel schöner!“ Heute lebt sie zurückgezogen in ihrem Haus im schweizerischen Salenstein am Ufer des Bodensees, liest viel, malt und pflegt Freundschaften.
Am Schluss wurde dann doch noch live gesungen. Zwar nicht vom Star des Abends, sondern von einem ihrer ersten Preisträger Markus Volpert, begleitet von Timo Handschuh von der Staatsoper Stuttgart am Flügel. Volpert, der extra von seinem Wohnort am Attersee in Österreich angereist war, intonierte die Arie „Heiterkeit und Fröhlichkeit“ aus Lortzings “Wildschütz“, die Mozartarie “Rivolgete“ und bedankte sich dann mit einem Handkuss, einer Rose und dem ergreifenden Richard Strauss-Lied “Zueignung“ bei Anneliese Rothenberger.
Minutenlanger stehender Applaus und ein Meer von Rosen beendeten den offiziellen Teil eines großen Abends. Anschließend ganz Profi und keinesfalls Operndiva gab Kammersängerin Anneliese Rothenberger Autogramme und nutzte die Zeit für Gespräche bei einem Sektempfang im Foyer.