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Feierstunde zum Tag der Deutschen Einheit 2008



„Jede Generation läuft nur einmal gegen Panzer"
Feierstunde zum Tag der Deutschen Einheit mit Staatsminister a.D. Dr. Hans Geisler

Am 3. Oktober 2008 feierte die CDU Stuttgart zum 17. Mal in Folge die Feierstunde zum Tag de Deutschen Einheit. Der Festakt wurde in würdiger Weise musikalisch umrahmt vom Trio Cichechia, dem Landessieger „Jugend musiziert" des Jahres 2008. Annika Stark (Violine), Paula Dietsche (Violine) und Luka Galic (Violoncello) gaben mit Stücken von Joseph Haydn, Antonio Vivaldi und Hubert Ries der Feierstunde einen besonders würdigen Charakter.

Der auf dem Kreisparteitag am Vorabend frisch gewählte neue Kreisvorsitzende Michael Föll freute sich, im Kolpinghaus, dem Gründungsort der Stuttgarter CDU, so viele Gäste begrüßen zu dürfen. „Es ist immer wieder gut, zu den Wurzeln zurück zu kehren", so Michael Föll zur Wahl des Veranstaltungsorts. Michael Föll dankte seinem Vorgänger Dr. Christoph Palmer für seine zwölfjährige engagierte und erfolgreiche Tätigkeit als Kreisvorsitzender. Sein Versprechen, das fortzusetzen, was Christoph Palmer begonnen hatte, wurde vom Auditorium mit viel Beifall bedacht.

Michael Föll erinnerte daran, dass die Stuttgarter CDU sich immer zum Gedanken der deutschen Einheit bekannt habe. Namentlich Gerhard Mayer-Vorfelder habe dies sowohl als Kultus- als auch als Finanzminister getan.

Für Michael Föll ist der Tag der Deutschen Einheit zunächst „ein Tag uneingeschränkter Freude, einer der wirklich glücklichen Augenblicke der deutschen Geschichte". Das wirklich Große an diesem Tag, so Michael Föll, sei der Umstand, dass die Einheit in Freiheit und Frieden geglückt sei. Daran müsse erinnert werden. Es sei ein Tag wider das Vergessen, gegen Verklärung und Ostalgie. Zunehmend werde die Tatsache vergessen, dass die DDR eine unmenschliche Diktatur war, in der die Menschen geschunden wurden und an der Grenze zu Tode kamen. Auch müsse daran erinnert werden, dass die DDR damals am Ende war, und zwar moralisch wie finanziell. Hier müsse die CDU die inhaltliche Diskussion mit der LINKEN führen, gegen deren Vertuschungs- und Verklärungsversuche. Michael Föll nannte Oskar Lafontaine wegen seiner Flucht aus der politischen Verantwortung 1999 den „größten Hasenfuß unter den deutschen Politikern". Wenn Lafontaine nun von der Enteignung von Familienbetrieben rede, stelle er damit die Systemfrage und man dürfe ihn als Vorsitzenden einer kommunistischen Partei bezeichnen, der jetzt für ein Wirtschaftssystem trommle, das schon einmal zur Pleite geführt habe. Diesem Treiben entgegenzutreten sei die staatspolitische Aufgabe der CDU.

Dr. Hans Geisler, der Festredner der Veranstaltung, wurde von Michael Föll als „einer der profiliertesten Politiker, die vor und nach der Wende in großer Verantwortung standen" vorgestellt. Lange Jahre in der evangelischen Kirche in der DDR engagiert, trat er 1989 dem Demokratischen Aufbruch bei und wurde 19909 in die Volkskammer gewählt. 1990 bis 1991 war als Mitglied des deutschen Bundestages (CDU) und in der Zeit von 19994 bis 2004 Mitglied des sächsischen Landtags. Von 1990 bis 2002 war er sächsischer Staatsminister für Soziales, Gesundheit und Familie.

Hans Geisler erinnerte sich seiner ersten Kontakte mit Baden-Württemberg zu Beginn des Jahres 1990, mit Begegnungen mit Lothar Späth, Gerhard Mayer-Vorfelder und Helmut Rau. Der Tag der Deutschen Einheit sei für ihn immer wieder ein Tag der Dankbarkeit und der Freude. Helmut Kohl habe seinerzeit das kleine Fenster der Geschichte erkannt, beherzt zugegriffen und damit die Einheit in Freiheit und Frieden erreicht. Dagegen habe Gerhard Schröder noch 1989 behauptet, die deutsche Einheit werde es nie geben.

In sehr eindrücklicher Form erinnerte Hans Geisler an die Entwicklungen, die zum Fall der Mauer und der deutschen Einheit führten und ergänzte die Darstellung historischer Ereignisse um persönliche Erlebnisse. Für ihn ist dieser grundlegende Veränderungsprozess keine „Wende" - dieser Begriff passe zur Regierungsübernahme durch Helmut Kohl 1982. Vielmehr handele es sich beim deutschen Vereinigungsprozess um nicht weniger als eine „Friedliche Revolution".

Seine Ursprünge habe der Weg zur Einheit in den 1980er Jahren mit Solidarnosc, Charta '77 und Gorbatschows Reformbemühungen „Glasnost" und „Perestrojka". Hans Geisler betonte, die Haltung der CDU und Helmut Kohls, im Unterschied zur SPD in dieser Zeit am Wiedervereinigungsgebot des Grundgesetzes festgehalten zu haben, hätte ihm damals Kraft und Hoffnung gegeben. Dass die SPD 1987 mit der SED ein Papier verfasst habe, sei für ihn bitter gewesen, noch mehr aber die Forderung der SPD, die zentrale Erfassungsstelle in Salzgitter zur Dokumentation von Unrecht in der DDR aufzulösen.

Hans Geisler schilderte die „vier Ereignisse des Wandels" im Jahr 1989: Zunächst der eklatante Wahlbetrug bei der Kommunalwahl im Frühjahr 1989, dann die blutige Niederschlagung der friedlichen Proteste in Peking sowie die Öffnung des Eisernen Vorhangs durch die Ungarn im Sommer und die Erkenntnis, dass an der DDR-Spitze Agonie bestand und die Sowjetunion - im Unterschied zu 1953 - nicht gewaltsam intervenieren würde.

Sehr eindrucksvoll war auch eine persönliche Episode, die Hans Geisler schilderte. Er sei einmal Mitte der 1990er Jahre gefragt worden, warum die Menschen in der DDR nicht früher gegen das Regime aufbegehrt hätten. Nach einigem Grübeln sei ihm die Erkenntnis gekommen: „Jede Generation läuft nur einmal gegen Panzer".

Hans Geisler schilderte mit hoher atmosphärischer Dichte die Situation in der DDR, der Mut der Menschen, die Spannungen mit den Machthabern, das Stasi-Treiben und deren Unterwanderung der Gesellschaft, das Engagement in den Kirchen und der Friedensbewegung und die Prozesse, die schließlich zum Zusammenbruch des kommunistischen Systems führten. „Es war ein Wunder, dass diese Revolution friedlich verlief", so sein Fazit.

Fotos: Rolf Durst