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CDU im Gespräch mit Opernintendant Albrecht Puhlmann

 

Kulturpolitik in der Landeshauptstadt

„CDU im Gespräch“ mit Albrecht Puhlmann

Am frühen Abend des 26. Juni rüstete sich die Stuttgarter Innenstadt mit Wimpeln, Flaggen und bunten T-Shirts zum Fußball-EM-Halbfinalspiel zwischen Russland und Spanien. Allerdings nicht die gesamte Innenstadt. Denn fast 300 interessierte Gäste hatten sich für „CDU im Gespräch“ mit dem Intendanten der Staatsoper Stuttgart, Albrecht Puhlmann, angemeldet. So konnte die Stellvertretende Kreisvorsitzende Staatsrätin Prof. Dr. Claudia Hübner im Raum Elysee des Hotels Le Méridien ein ansehnliches Publikum begrüßen.

„Stuttgart ist bekannt als Sportstadt, als Stadt der Mobilität und des Automobils und ist auf dem Weg zur kinderfreundlichsten Großstadt in Deutschland“, führte Claudia Hübner einleitend aus. Als weitere Standortfaktoren charakterisierte sie Stuttgart als Stadt der Architektur, der Wissenschaft, der „Partymeile“ und der populären Musik, vor allem auch als Stadt der Kunst und Kultur. Als Ausweis der hohen kulturellen Qualität nannte sie auch das Ballett mit seinem Weltruf, die Bachakademie und vor allem auch die Staatsoper Stuttgart, die bisher sechsmal in Folge zum „Opernhaus des Jahres“ gekürt worden war.

Um die Oper sollte es an diesem Abend schwerpunktmäßig gehen. Albrecht Puhlmann, der Intendant der Staatsoper Stuttgart, wurde 1955 in Bad Segeberg geboren. Nach dem Studium der Musikwissenschaften, Philosophie und Literaturgeschichte wirkte er als Dramaturg in Darmstadt, Kassel, Basel, Berlin und Hamburg. Als freiberuflicher Dramaturg wirkte er bei den Salzburger Festspielen ebenso mit wie an der Opéra de la Monnaie in Brüssel und beim Holland Festival. 1996 wurde er zum Operndirektor und Leitenden Dramaturg der Oper am Theater Basel, 2001 wurde er Intendant der Staatsoper Hannover, und seit 2001 ist er Intendant der Staatsoper Stuttgart.

Albrecht Puhlmann bekannte, in der Nachfolge von Klaus Zehelein als Intendant der Staatsoper ein großes Erbe angetreten zu haben. Das Stuttgarter Staatstheater genieße in allen seiner drei Sparten eine hohe Reputation, die bis Asien reiche. Der Politik der Landeshauptstadt Stuttgart und des Landes Baden-Württemberg sprach er ein großes Kompliment aus: Beide - Stadt wie Land - bekennen sich zum Opernhaus als „Leuchtturm der Kultur“. Puhlmann belegte dies durch Zahlen: Ein Zuschuss von 69 Mio. € jährlich für den Betrieb und dazu noch von 6 Mio. € für den Bauunterhalt sind klare Zeichen dafür, dass Land und Landeshauptstadt zu diesem „Leuchtturm der Kultur“ stehen. Das Staatstheater beschäftigt etwa1.200 Mitarbeiter und verzeichnet jährliche Einnahmen von 13 bis 15 Millionen Euro. Da 80 Prozent der Ausgaben für Personal aufgewendet wird, verbleibt ein künstlerischer Spielraum von jährlich etwa 12 Millionen Euro. Die Besucherzahl der Staatsoper liegt bei jährlich etwa 250.000 Personen und kommt überwiegend aus der Region. Dies gibt der Staatsoper ein hohes Maß an Sicherheit, da sie damit nicht auf Touristen angewiesen ist, wie dies in Wien oder Dresden der Fall ist.

Im Rückblick auf die Geschichte der Staatsoper kam Albrecht Puhlmann auch auf das Gebäude zu sprechen. Das 1912 vom Münchner Architekten Max Litttmann fertig gestellte Operhaus wird zum 100jährigen Jubiläum 2011/2012 umgebaut und modernisiert werden. Das Repertoire der Staatsoper beschrieb Puhlmann als „Spagat zwischen dem Populären und dem Unbekannten“. Als „Satelliten“, die das Opernprogramm ergänzen, stellte er die „Junge Oper“ und das „Musiktheater der Zukunft“ vor. Bei der von Klaus Zehelein begründeten „Jungen Oper“ geht es darum, Kinder, Familien und Schulklassen aktiv an die Oper heranzuführen. Im Brennschulprojekt werden Schülerinnen und Schüler von Schulen mit hohem Migrantenanteil in Workshops mit der Oper vertraut gemacht. In der gewaltbereiten Szene wirke das gemeinsame Singen „zivilisierend“, meinte Puhlmann. Beim „Musiktheater der Zukunft“ geht es darum, Wege für das Musiktheater in einer sich rapide wandelnden Welt zu finden. Dabei werden Grundfragen wie Trost, Einkehr, Kontemplation, aber auch die emotionale Konfrontation mit Extremzuständen gestellt. Mit Blick auf die Altersstruktur der Abonnenten ist eine weitere Zukunftsfrage für die Staatsoper Stuttgart die Frage nach der Gewinnung der mittleren und jüngeren Generation für die Oper.

In der von Claudia Hübner souverän geleiteten Diskussion wurden auch Fragen angesprochen wie etwa in den USA gespielte „Houston“- oder „Best of“-Opern, die „Ballast abwerfen“ und sich auf „wesentliche Teile“ konzentrieren. Am Beispiel des Gummiboots und von Kühlschränken im „Fliegenden Holländer“ wurden moderne Inszenierungen diskutiert, außerdem im Vergleich mit dem Staatstheater in Karlsruhe die „Badenfrage“ oder die Talentsuche für die Staatsoper. Und nicht zuletzt wurde der Wunsch nach einer Wiederbelebung des Opernballs geäußert, der vom Publikum mit großem Beifall bedacht wurde.

Am Ende eines spannenden Abends, der es mit einem EM-Halbfinale aufnehmen konnte, äußerte Claudia Hübner vier Wünsche für die Stuttgarter Oper: dass sie nicht zu einer „Houston-Oper“ wir, dass sie wieder Oper des Jahres wird, dass sie die Jugend erreicht, und dass sie das Herz erreicht. Albrecht Puhlmann präsentierte sich bei diesem „CDU im Gespräch“ als der Mann, bei dem alle vier Wünsche erfüllbar erschienen.

Fotos: Rolf Durst